Der Deutsche Alpenverein (DAV) und der Kletteranlagenverband KLEVER veröffentlichen seit 2015 jährlich eine Kletterhallen-Unfallstatistik. Seit 2024 werden auch Kletteranlagen in Österreich durch den Verband der Kletteranlagenbetreiber Österreichs (VKAÖ) in die Erfassung einbezogen. Die Statistik soll typische Unfallmuster sichtbar machen und daraus Ansatzpunkte für die Unfallprävention ableiten.
Für das Jahr 2025 wurden Unfälle aus rund 250 betreuten künstlichen Kletteranlagen in Deutschland und Österreich erfasst. Von 341 gemeldeten Unfällen erfüllten 252 die Kriterien für die Auswertung: Es musste entweder ein Rettungsdiensteinsatz erfolgt sein oder mindestens eine mittelschwere Verletzung vorgelegen haben. Da für Betreiber von Kletteranlagen keine allgemeine Meldepflicht besteht und nicht alle Anlagen Unfälle gleichermaßen melden, bildet die Statistik nicht das vollständige Unfallgeschehen ab. (Alpenverein)
Bouldern: Abklettern statt Abspringen
Von den 252 ausgewerteten Unfällen ereigneten sich 174 beim Bouldern. Mit 155 Fällen machten Stürze auf die Matten den mit Abstand größten Anteil der Boulderunfälle aus. Häufig betroffen waren die unteren Extremitäten, insbesondere die Beine.
Gerade beim Bouldern wird die Höhe des Sturzes häufig unterschätzt. Ein unkontrolliertes Abrutschen aus größerer Höhe kann zu erheblichen Verletzungen führen. Der DAV empfiehlt deshalb, wenn möglich abzubouldern, anstatt aus großer Höhe abzuspringen. Auch das richtige Fallen und Landen sollte erlernt und regelmäßig geübt werden. (Alpenverein)
Dabei spielt auch die Gestaltung der Boulder eine Rolle. Entsprechende Abklettergriffe können dazu beitragen, die Absprunghöhe zu reduzieren.
Beim Seilklettern: Auch das Ablassen verdient volle Aufmerksamkeit
68 der ausgewerteten Unfälle ereigneten sich beim Seilklettern. Die meisten davon traten beim Vorstieg auf, gefolgt von Unfällen beim Ablassen.
Besonders auffällig sind die 15 dokumentierten Bodenstürze beim Ablassen. In zwölf dieser Fälle kam es zu einem unkontrollierten Seildurchlauf durch das Sicherungsgerät. Bei acht dieser Unfälle wurden mittelschwere, bei drei schwere Verletzungen dokumentiert. (Alpenverein)
Die Fälle zeigen deutlich: Auch wenn die Kletterroute bereits geschafft ist und die Person am Umlenker angekommen ist, darf die Aufmerksamkeit nicht nachlassen.
Beim Ablassen sollte die sichernde Person das Sicherungsgerät kontrolliert bedienen und insbesondere das Bremshandprinzip konsequent einhalten. Das gilt unabhängig davon, welches Sicherungsgerät verwendet wird.
Der Partnercheck bleibt unverzichtbar
Ein weiterer wichtiger Punkt der Unfallstatistik sind Fehler beim Einbinden beziehungsweise bei der Verbindung zwischen Kletterer und Seil.
Die Statistik zeigt mehrere Fälle, bei denen Bodenstürze durch Einbindefehler oder fehlende Knoten im Seilende verursacht wurden. Der DAV weist darauf hin, dass solche Unfälle durch einen gründlichen Partnercheck vermeidbar sein können. (Alpenverein)
Deshalb gehört der Partnercheck vor jedem Start dazu:
Sitzt der Klettergurt korrekt?
Ist das Sicherungsgerät richtig eingelegt und verbunden?
Ist die sichernde Person korrekt eingebunden bzw. gesichert?
Ist der Einbindeknoten vollständig und korrekt?
Ist das Seilende gegen Durchrutschen gesichert?
Ein kurzer Check dauert nur wenige Sekunden – kann im Ernstfall aber entscheidend sein.
Selbstsicherungsautomaten: Erst einchecken, dann klettern
Auch die Unfälle an Selbstsicherungsautomaten zeigen, wie wichtig ein konsequenter Selbstcheck ist.
2025 wurden fünf Bodenstürze an Selbstsicherungsautomaten ausgewertet. In allen fünf Fällen war die kletternde Person nicht am Automaten eingehängt. Vier dieser Unfälle führten zu schweren Verletzungen, einer endete tödlich. Besonders bemerkenswert: Drei der Betroffenen verfügten über mehr als zehn Jahre Klettererfahrung. (Alpenverein)
Das zeigt, dass Erfahrung allein nicht vor Fehlern schützt. Gerade routinierte Abläufe können dazu führen, dass einzelne Schritte unbewusst übersprungen werden.
Bei der Nutzung eines Selbstsicherungsautomaten gilt deshalb:
Vor jedem Einstieg bewusst stoppen, einhängen und kontrollieren.
Erst wenn der Selbstcheck abgeschlossen ist, geht es nach oben.
Sicherheit ist eine gemeinsame Aufgabe
Die Unfallstatistik macht deutlich, dass viele Unfallursachen nicht allein mit der Schwierigkeit einer Route oder der sportlichen Leistung zusammenhängen. Häufig spielen Aufmerksamkeit, Kommunikation und die konsequente Anwendung grundlegender Sicherheitsregeln eine entscheidende Rolle.
Deshalb möchten wir auch in unserem Kletterzentrum eine gelebte Sicherheitskultur fördern.
Dazu gehört für uns nicht nur die Ausbildung unserer Besucherinnen und Besucher, sondern auch, dass wir aufmerksam miteinander umgehen. Wer einen offensichtlichen Fehler beobachtet oder eine unsichere Situation wahrnimmt, darf und sollte die betreffende Person freundlich darauf ansprechen.
Sicherheit bedeutet nicht, andere zu kontrollieren oder zu kritisieren. Sie bedeutet, Verantwortung füreinander zu übernehmen.